Rekonstruktionsversuch

  1. 3D-Visualisierung der Villa
  2. Ansichten der Villa

3D-Visualisierung der Villa

Die erste Version einer 3D-Rekonstruktion des sogenannten T4-Gebäudes wurde von Berufsschülern (Vermessung) der Knobelsdorff-Schule Berlin entwickelt. Die Schüler hatten aus einem Foto, einer Ansichtszeichnung sowie zwei Grundrissen ein erstes CAD-Modell des Gebäudes erstellt. Schnell wurde der Wunsch laut, hieraus mehr zu machen, so dass die FPK Ingenieurgesellschaft mbH aus Potsdam die Anfrage erhielt, ob sie aus den vorhandenen Daten eine 3D-Animation des Gebäudes herstellen könne. Nach Sichtung der Unterlagen und der vorhandenen Daten wurde zunächst ein Prototyp eines texturierten 3D-Modells erstellt. Nach Präsentation dieses Modells wurde die FPK Ing-GmbH vom Paritätischen Wohlfahrtsverband beauftragt, das Modell so weiterzuentwickeln, dass es möglichst realitätsnah dem Stand von 1940 entspricht und auf der Internetseite des T4-Gedenkortes dargestellt werden kann.

Hierfür mussten zunächst weitere Grundlagen recherchiert werden, da bei den Vorarbeiten festgestellt wurde, dass die Ausgangsdaten weder ausreichend noch schlüssig waren. Es wurde in zahlreichen Datenbanken recherchiert (z.B. Fotoarchiv Marbach, Architekturmuseum TU Berlin, Stiftung Stadtmuseum, u.v.m.). Die für diese Aufgabe wichtigsten Unterlagen fanden sich im Landesarchiv Berlin. Neben dem bereits erwähnten Foto der Nordfassade waren dies
insbesondere:
- Bilder des Speisezimmers und der Bibliothek der Fotografin Marta Huth
- 3 Bände der historischen Bauakten mit zahlreichen wichtigen Zeichnungen und Briefverkehr

Aus den Bauakten ergab sich, dass der ursprünglich geplante und genehmigte Entwurf des Gebäudes nicht realisert wurde. Statt dessen baute der Bankier Valentin Weißbach das vom Architekten Christian Heidecke entworfene und dann modifizierte Gebäude zwei Jahre später ab 1888.

Grundlage der versuchten 3D-Rekonstruktion waren diese Baupläne und die vorliegenden Ansichtszeichnungen. Hieraus konnten die für die Rekonstruktion notwendigen Abmessungen des Baukörpers entnommen werden. Darüber hinaus wurden die oben genannten Fotos einbezogen. Das Projekt wurde mit der Software SketchUp realisiert, welche den Vorteil hat, dass sich einfach und sehr schnell 3D-Modelle konstruieren lassen. Während der Bearbeitung und der Zuweisung von Materialien ergeben sich dann jedoch zahlreiche Fragestellungen, die allein mit den vorliegenden Unterlagen nicht geklärt werden können. Um kein lückenhaftes Gebäude entstehen zu lassen, wurden nicht vorliegende Infomationen nach bauzeitlichen Gesichts-punkten ergänzt, wobei die FPK Ingenieurgesellschaft sich auf Ihre Erfahrungen beim Aufmaß denkmalgeschützter Gebäude stützen konnte.

Die verwendeten Grundrisse für das EG und OG sind als relativ gesichert anzusehen, da diese bei diversen Umbauten (z.B. Fahrstuhleinbau) immer wieder in den Bauakten verwendet wurden. Dagegen sind die Fassadenansichten von Süden und Osten teilweise als unsicher zu bezeichnen. Da es für die Nordansicht sowohl ein Foto (das Einzige) als auch eine zeichnerische Ansicht gibt, kann festgestellt werden, dass es zwischen Planung und Ausführung (insbesondere bei den Fenstern) zu erheblichen Differenzen gekommen ist. Somit gilt für die Ansichten, dass von Norden her die tatsächliche Ansicht modelliert wurde und für alle anderen Ansichten die geplante.

Desweiteren ist nicht bekannt, welche Farben für das Gebäude von außen verwendet wurden. Im unteren Bereich (EG) ist auf dem Foto die Verwendung eines Bossenmauerwerks zu erkennen, welches in der Regel durch Witterungseinflüsse ein relativ dunkles Aussehen hat. Im OG-Bereich hingegen wurde entweder ein heller Sandstein oder/und Putz verwendet. Die Farbgebung hierfür ist völlig offen; für die Modellierung wurde ein Ocker-Ton verwandt, der zu dieser Zeit üblich war.

Für die beiden Innenräume - Speisezimmer und Bibliothek - wurde sich an die vorliegenden s/w-Photographien gehalten. Jedoch sind auch hier die Farbgebungen nicht überliefert. Die im Eingangsbereich geschwungene Treppe ist in den Bauakten als gebogene Metallkonstruktion ausgewiesen; das Material der Stufen jedoch nicht beschrieben. Alle Glasüberdachungen sind in den Bauakten recht ausführlich nachvollziehbar. Alle anderen Räume wurden bewusst ohne Farbe bzw. Textur gehalten, da hierüber nichts bekannt ist. Auch die nachträglich ausgeführten Durchbrüche zum Nachbargebäude 4a sind nicht eingearbeitet, da an keiner Stelle dokumentiert ist, wo diese liegen.

Resumee: Das jetzt vorliegende 3D-Modell der ehemaligen Tiergartenstr. 4 ist der Versuch, auf der Grundlage historischer Bauzeichnungen und weniger historischer Fotos ein möglichst realistisches Gebäude zur damaligen Zeit (1940) darzustellen. In Grundzügen ist dies gelungen, für die Komplettierung sind jedoch weitere Unterlagen, Fotos oder Zeitzeugen unbedingt erforderlich.

Rüdiger Tauch
FPK Ingenieurgesellschaft für Fernerkundung, Photogrammetrie,
Kartographie und Vermessung mbH, Potsdam

Ansichten der Villa

Schwarzweiss

Norden Nordost

Südost Süden

Schattiert

Norden Nordost

Osten Südost

Süden

Uni

Nordost Südost

Süden

Ansicht von oben

Norden Nordost

Osten Südost

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