Eugen Bofinger

* 1884 Stuttgart -
† 12. 6. 1940 Grafeneck

bofinger_eugen_stolperstein.jpgEugen Bofinger war ein Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“, der sogenannten T4-Aktion. Diese wurde nach dem Sitz der zuständigen Entscheidungsbehörde in der Berliner Tiergartenstraße 4 benannt.

Da keine Verwandten oder Nachfahren ermittelt werden konnten, lässt sich leider nur sehr wenig zu Herrn Bofingers Biografie sagen. Nur soviel: Er wurde 1884 in Stuttgart/Feuerbach geboren, war von Beruf Ingenieur und verheiratet mit Else Bofinger, geb. Sedelmayer. Seit 1914 lebte das Ehepaar in Konstanz, zuletzt am St. Gebhardplatz 30 im Erdgeschoss rechts, was ein noch lebender Zeitzeuge bestätigte.
Ab 1929 war Eugen Bofinger Patient in der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau. Im Staatsarchiv Freiburg ist lediglich das „Fahrnisverzeichnis“ vorhanden, eine Liste der Habseligkeiten, die er bei seiner Einweisung bei sich hatte. Weitere Patientenakten sind nicht mehr auffindbar und somit auch keine Angaben über seine Erkrankung.
In der Einwohnermeldekarte der Stadt Konstanz findet sich als letzter Eintrag sein Todestag, der 30. Oktober 1940 in Sonnenstein/Sachsen. Diese Angaben sind falsch. Wie bei den meisten Opfern der NS-„Euthanasie“ wurden Todesursache, Todestag und -ort ganz bewusst gefälscht, um Nachforschungen von Angehörigen zu erschweren oder sogar unmöglich zu machen. Um den Namen Grafeneck nicht zu oft auftauchen zu lassen, wurde etwa die Hälfte der in Grafeneck anfallenden Akten an die Standesämter der anderen Tötungsanstalten verschickt. Von dort aus wurden die Angehörigen über den Sterbefall informiert.
Als Todesursachen wurden Magenblutungen, Lungenentzündungen etc. genannt.
Tatsache ist: Aus den Original-Transportlisten, die noch vorhanden sind, geht hervor, dass Eugen Bofinger am 7. Mai 1940 mit dem ersten von insgesamt elf Transporten von der Reichenau im Rahmen der „T4-Aktion“ deportiert wurde. Zuerst nach Zwiefalten und fünf Wochen später, am 12. Juni 1940, in die Tötungsanstalt Grafeneck, wo er noch am selben Tag, im Alter von 56 Jahren, vergast und eingeäschert wurde.
Dieses Datum wurde von der heutigen Gedenkstätte Grafeneck bestätigt.

Recherche: Roland Didra

Quellen:
Adressbücher Konstanz 1939 und 1943, Stadtarchiv Konstanz; Einwohnermeldekarteikarten vor 1945, Stadtarchiv Konstanz; Opferliste der Gedenkstätte Grafeneck; Heinz Faulstich, Von der Irrenfürsorge zur „Euthanasie“. Geschichte der badischen Psychiatrie bis 1945, Freiburg i. Brsg. 1993; Material Faulstich: Patientenlisten mit Aufnahmedatum und Kopien der Originaltransportlisten der „Aktion T 4“; „Jetzt werden Akten verglichen“, Südkurier Konstanz, 17. 1. 1983; „Auch Urnen von KZ-Opfern dabei“, Südkurier Konstanz, 2. 2. 1983.

Patin des Stolpersteins: Anna Falduto

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