Erna Hummel, Otto Hummel und Kurt Hummel

Erna Hummel (1901 Halle – Dezember 1940 Bernburg) Otto Hummel (1903 Halle – Juni 1940 Bernburg) Kurt Hummel (1906 Halle - 23.10.1940 Brandenburg/ Havel)

Das Ehepaar Hummel hatte neben Erna, Otto und Kurt noch vier weitere Kinder. Die Anstaltsunterlagen der Landesheilanstalt Altscherbitz beschreiben die Herkunft der Geschwister Hummel als „aus ärmlichen Verhältnissen“ stammend. Der Vater Friedrich „Hummel ist Lumpenhändler und wohnt im stark bevölkerten Zentrum der Stadt im gleichen Hause mit vielen kinderreichen Familien.“ Sie lebten in der Kleinen Ulrichstraße 8. Die Mutter sei verstorben und der Vater lebe von Unterstützung „aus öffentlichen Mitteln“. Erna war 18-jährig, Otto und Kurt 25-jährig in Anstaltspflege gekommen.
Die im Bundesarchiv gelagerten Krankenakten der „Landesheilanstalt Alt-Scherbitz“ geben kaum Auskunft über die Persönlichkeit der Patienten. Sie bescheinigen Otto Hummel „deutschen Blutes“ zu sein und unter „hochgradigem Schwachsinn mit Neigung zu antisozialen Handlungen“ zu leiden. Bei Kurt Hummel wird „angeborener Schwachsinn + Schizophrenie, Endzustand“ diagnostiziert.
Bemühungen des Vaters um Urlaub für seinen Sohn Otto, der in Altscherbitz in der „Kohlenkolonne“ arbeitete, wurden 1932 abschlägig beschieden. Der Vater sei „trotz guten Willens“ nicht in der Lage, „die Umgebung vor dem Kranken zu schützen“.
1940 wurden die Geschwister im Rahmen der „Aktion T-4“ (so genannt nach der Berliner Tiergartenstraße 4, wo die Pläne zentral ausgearbeitet wurden) „zur Ausmerzung freigegeben“, wie es im Nazi-Jargon hieß.
Der 36-jährige Otto Hummel wurde im Juni 1940 aus der „Landesheilanstalt“ Altscherbitz abgeholt und noch am Ankunftstag in dem zur Tötungsanstalt umgebauten alten Zuchthaus von Brandenburg mit Gas ermordet. Auf gleiche Weise und am gleichen Ort starb auch sein 34-jähriger Bruder Kurt Hummel im Oktober 1940. Die 39-jährige Erna Hummel wurde im Dezember 1940 nach Bernburg gebracht und in der Tötungskammer der „Heil- und Pflegeanstalt“ Bernburg mit Gas ermordet.
Um die Morde zeitlich und geographisch zu vertuschen, wurde Kurt Hummels Tod nicht für den tatsächlichen Termin, 23.10.1940 in Brandenburg, beurkundet, sondern offiziell für den 5.11.1940 in der Anstalt Hartheim (Oberösterreich) angegeben. Gefälschte Todesdaten sind auch im Fall seiner ermordeten Geschwister Otto und Erna anzunehmen.

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