Kurt Georg Vogt

21.9.1912 Könisgberg (Ostpreußen)
4. August 1941 Pirna/Sonnenstein
Kurt Georg Vogt

Um 1990 herum erbt Ulrich Raschkowski ein Familienbuch, in dem ihm ein Eintrag besonders ins Auge springt: „Nr. 182 am 20ten August 1941 zu Hadamar-Mönchberg (Lahn) verstorben“ ist dort zu lesen. Es ist der Eintrag zu seinem Onkel Kurt, den er nie kennenlernte – und er beginnt zu recherchieren.

Kurt Georg Vogt wurde am 21. September 1912 in Königsberg geboren. Er war Epileptiker und wurde zunächst zu Hause versorgt. Doch irgendwann wuchs seiner Familie die Pflege über den Kopf, und Ende April 1924 wurde Kurt in die Anstalt Carlshof bei Rastenburg (heute Karolewo) gegeben. Dort konnte ihn seine Familie hin und wieder besuchen, und auch Familienbesuche seinerseits hat es laut Krankenakte gegeben. Ebenso ist dort von „guter Führung" die Rede – aber auch davon, dass Kurt „geistig recht tiefstehend" sei.

Kurt Georg Vogt

Kurt Georg Vogt

Außerdem finden sich in den Dokumenten, in die Ulrich Raschkowski über das Bundesarchiv Einblick bekommen konnte, Einträge zu zwei weiteren Anstalten in Sachsen und im heutigen Polen. Mit keinem Wort aber wird Hadamar erwähnt, der Ort, aus dem laut Kurts Schwester die Nachricht über seinen „plötzlichen Tod" am 20. August 1941 und der „sofort notwendigen Einäscherung" gekommen war.

Kurts Mutter verlangte die Asche ihres Sohnes und erhielt wohl auch eine Urne. Jedoch sei sie sich schon damals ziemlich sicher gewesen, dass darin nicht besagte Asche war. Und sie sollte Recht haben: So konnte Ulrich Raschkowski herausfinden, dass sein Onkel nicht in Hadamar, sondern in Pirna-Sonnenstein ermordet wurde. Seine Asche wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit würdelos auf dem dortigen Abhang „beseitigt".

Kurts Leidensweg hatte ihn davor, wie in der Krankenakte vermerkt, noch über zwei weitere Anstalten geführt. Im Dezember 1940 wurde er in Kortau bei Allenstein (heute Kortowo/ Olsztyn) aufgenommen, im Juli 1941 dann ins sächsische Zschadraß verlegt. Von dort wurde er schließlich am 4. August 1941 mit einem der sogenannten „grauen Busse" nach Pirna-Sonnenstein gebracht und direkt nach seiner Ankunft in der Gaskammer ermordet.

Die Todesmitteilung aus Hadamar war also – wie auch die Übersendung der Asche und das angegebene Todesdatum – eine Täuschung gewesen. Eine Täuschung der Familie wie auch der Provinzialanstalt Ostpreußen, die dadurch über Kurts tatsächlichen Tod hinaus bis zum angegebenen Todesdatum weiterhin Pflegegeld bezahlen musste.

Recherche: Ulrich Raschkowski
Text: Julia Frick

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