Karl Johann Joachim Ruppel

* 30.03.1878 -
† 06.06.1941 Hadamar
Jean Ruppel

Karl Johann Joachim Ruppel (genannt Jean gesprochen Schaa), geb. am 30.03.1878, wurde von der Landesheilanstalt Herborn aus am 17.12.1930 im psychiatrischen Krankenhaus Goddelau aufgenommen. Am 3. April 1941 wurde er in die Landesheilanstalt Weilmünster (damals "Zwischenanstalt" für die Tötungsanstalt Hadamar) verlegt. Von dort gelangte er in einem Transport mit 105 weiteren Patienten am 6. Juni 1941 nach Hadamar.

Jean Ruppel (rechts) mit seiner Familie und einer Nachbarin, verm. 1926 oder 1927

 

In der Regel wurden die Patienten eines solchen Transports noch am Tag der Ankunft in die sich im Keller der Anstalt befindliche Gaskammer geschickt und ermordet. Der 6. Juni 1941 ist daher als der Todestag von Jean anzusehen. An den Bruder von Jean Ruppel wurde folgender Brief gesandt:

Landes Heil- und Pflegeanstalt Hadamar Tagebuch – Nr.: 68-05 S. Hadamar, den 9. Juni 1941

"Wir teilen Ihnen mit, daß Ihr Bruder Herr Karl Joachim Ruppel auf Grund einer ministeriellen Anordnung gemäss Weisung des Herrn Reichsverteidigungskommissars in unsere Anstalt verlegt wurde und hier gut angekommen ist. Besuche können zur Zeit aus mit der Reichsverteidigung im Zusammenhang stehenden Gründen nicht zugelassen und aus gleichem Grunde telefonische Auskünfte nicht erteilt werden. Etwaige eintretende Veränderungen hinsichtlich des Befindens des Patienten oder bezüglich der angeordneten Besuchssperre werden alsbald mitgeteilt. Die durch diese Maßnahme bedingte und notwendig gewordene Mehrarbeit zwingt uns höflichst zu bitten, von weiteren Anfragen sowie Übersendung von Paketen Abstand zu nehmen. Heil Hitler! i. A. Lech"

Interessant ist, dass das Schreiben auf den 9. Juni 1941 datiert ist. Jean hat mit seinem bürokratischen Weiterleben seinen eigenen Tod finanziert, da von den zuständigen Behörden weiterhin die Kosten für die Unterbringung in der Heil und Pflegeanstalt verrechnet werden konnten. Dies sind die Fakten, die die Unterlagen hergeben. Laut Aussage meines Vaters und meiner Tante hatte mein Opa seinen Bruder Jean aus Goddelau zurück in die Familie nach Seligenstadt geholt.

Dort hat er längere Zeit in der Familie mit gelebt. Auf Betreiben eines Arztes musste Jean zurück nach Goddelau. Meinem Großvater gelang es, ihn noch einmal für ca. 4 Wochen in die Familie zu holen. Der schon genannte Arzt ließ Jean wieder zurück nach Goddelau bringen. Mein Vater und meine Tante berichteten mir, dass Jean in guter körperlicher Verfassung Seligenstadt verlassen hat. Als die Todesnachricht kam, sprach mein Großvater davon, dass Jean umgebracht wurde. Ein Freund meines Vaters hat mir wiederum dies bestätigt: Mein Vater habe ihm wie folgt die Todesnachricht überbracht: „Du Franz, die haben den Jean umgebracht.“

Ein Indiz für den Aufenthalt in Seligenstadt könnte sein, dass Jean zu einem Zeitpunkt umgebracht wurde, als Personen mit seinem Krankheitsbild schon längst umgebracht waren. (Dies ist die Aussage einer Krankenschwester aus Goddelau, ich habe dies nicht explizit überprüft). Mein Großvater hat es bis zu seinem Tod nicht verwunden, dass er seinen Bruder nicht schützen konnte.

Als ich 1979 Interesse für eine Studentenverbindung zeigte, bat mich mein Vater eindringlich, nicht dieser Verbindung beizutreten, da in dieser Verbindung eine Person aktiv war, die für die Deportation von Jean verantwortlich war.

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