Bertha Johanna Schulz

7.10. 1896 Steele
8. 5. oder 12. 5. 1943 Merkshausen

Als siebtes von insgesamt vierzehn Kindern
Besuch der Grundschule in Steele b. Essen

Lehre in einem Delikatessengeschäft
Anstellungen in verschiedenen Haushalten
Arbeit bei Krupp während des Ersten Weltkrieges
1920 Heirat mit Peter Schulz, Enkheim b. Frankfurt am Main
1920 Geburt der Tochter Sophie
letzter Wohnort: Enkheim b. Frankfurt a. Main

Aufnahme in die Nervenklinik Frankfurt am Main, Niederrad, am 29. August 1935
Diagnose: Paranoide Schizophrenie
Verlegt in die Landesheilanstalt Hadamar am 2. November 1935
Diagnose: Paranoide Schizophrenie
Verlegt am 3. Juli 1936 in die Landesheilanstalt Marburg
Diagnose: Paranoide Schizophrenie
Verlegt am 25. August 1941 nach Merxhausen
8. oder 12. Mai 1943 gestorben in der Landesheilanstalt Merxhausen

Die Umstände des Todes von Bertha Schulz sind unklar. Nach Aussagen der Direktion Merxhausen war die Versorgungslage der Kranken 1943 bereits sehr prekär. In den überfüllten Krankensälen traten Seuchen auf, denen eine große Zahl der unterernährten und geschwächten Patienten zum Opfer fiel. Aufgrund der Verwendung der Klinikgebäude als Kriegslazarette blieb für die Psychiatrie-Patienten kaum Platz, und auch die Versorgung mit Lebensmitteln wurde schlechter. Die „aktive Euthanasie“ wurde im August 1941 offiziell eingestellt, doch an ihre Stelle trat die sogenannte „wilde Euthanasie“, die den Krankenmord mit „sanfteren“ Methoden weiterführte. Bis Kriegsende kamen unzählige Patienten in den psychiatrischen Anstalten des Dritten Reichs ums Leben, und auch noch nach Kriegsende starben viele.

Bertha Schulz war zum Zeitpunkt ihres Todes 46 Jahre alt. Die Akteneinträge und ärztlichen Untersuchungszeugnisse aus den Jahren zuvor weisen unauffällige Befunde über ihre körperliche Verfassung auf. Nach Angaben ihrer heute neunzigjährigen Tochter erschien die Mutter bei den Besuchen in den verschiedenen Kliniken körperlich gesund. Im Mai 1943 wurde der Tochter in einem Telegramm völlig unerwartet der plötzliche Herztod der Mutter mitgeteilt.

Literarische Buchpublikation nach Recherchen der Tochter und Enkelin:
Melitta Breznik, Das Umstellformat.
Erzählung(en), München: Luchterhand Literaturverlag 2002.

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