Karl Szczesny

* 28. 10. 1888 Koeslinen (Ostpreußen) –
† 28. 10. 1942 Obrawalde

Szczesny_Karl_Stolperstein.jpgKarl Szczesny wurde am 28. Oktober 1888 in Koeslinen/Kreis Altenstein in Ostpreußen geboren. Er war Maurer von Beruf und hatte bis zum Ausbruch seiner Erkrankung im Dezember 1940 in seinem Beruf gearbeitet. Damals hatten ihn zwei Arbeitskollegen, mit denen er beim Luftschutzbau beschäftigt gewesen war, zur Aufnahme in das Rudolf-Virchow-Krankenhaus begleitet. Zuletzt lebte er am Klauswerder 11 in Berlin-Reinickendorf.

Sie hatten angegeben, dass er mehrfach von der Leiter gefallen sei und einen verwirrten Eindruck gemacht habe. Im Aufnahmebefund des Virchow-Krankenhauses wurde festgehalten, dass Karl Szczesny seinen Namen nicht richtig angeben und überhaupt kaum verständlich sprechen konnte. Er war desorientiert und zeigte auch deutliche neurologische Ausfälle. Die Diagnose lautete „Progressive Paralyse“. Nach eigenen Angaben hatte er sich kurz nach dem Ersten Weltkrieg venerisch infiziert und war nach den Möglichkeiten der Zeit auch entsprechend behandelt worden. Da es noch kein wirksames Antibiotikum gab, konnte diese Therapie jedoch nicht nachhaltig wirken. Nun war nach mehr als 20 Jahren die Erkrankung unerwartet in ihr drittes Stadium getreten und hatte zu schwerwiegenden körperlichen und psychischen Störungen geführt. In der Folge musste sich Karl Szczesny im Virchow-Krankenhaus einer Malaria-Behandlung unterziehen, der damals einzigen Behandlungsmethode, die eine gewisse Aussicht bot, die Krankheit wenigstens zum Stillstand bringen zu können; in einer Anzahl von Fällen trat sogar eine vorübergehende oder dauernde Besserung des Zustandes ein. Karl Szczesny überstand die körperlich außerordentlich belastende Fieberkur gut und konnte am 18. März 1941 aus dem Virchow-Krankenhaus entlassen werden. Die Krankheitserscheinungen waren deutlich geringer geworden; er war kontaktfähig und besaß Krankheitseinsicht. In seinem Beruf konnte er allerdings nicht mehr arbeiten und wurde deshalb berentet.
Gut ein Jahr später, am 18. April 1942, wies ihn die Polizei in die Wittenauer Heilstätten ein, weil seine Angehörigen, vor allem seine Frau, sich von ihm bedroht fühlten. Karl Szczesny war zweifach verwitwet, seine dritte Frau, Wally, arbeitete als Zugbegleiterin bei der Reichsbahn. Er hatte außerdem eine Tochter, die aber selbst bereits verheiratet war.
Bei der Aufnahme in Wittenau war Karl Szczesny über seine Personalien und über die wesentlichen Zeitereignisse orientiert; er verhielt sich auch geordnet und bestritt vehement, seine Angehörigen bedroht zu haben. Andererseits jedoch zeigte er die typischen Krankheitszeichen der fortschreitenden Paralyse, wie Merkschwächen und Sprachstörungen. Die Diagnose lautete „beginnende Demenz“. Wiederum musste er sich einer Fieberkur unterziehen, die sich bis in den September des Jahres 1942 hinzog, ohne dass eine wesentliche Besserung erzielt werden konnte. Zwar nahm Karl Szczesny weiter Anteil an seiner Umgebung, konnte auch über sich und seine Krankheitsgeschichte leidlich Auskunft geben, doch wurde er zunehmend pflegebedürftig.
Am 20. September 1942 wurde er zur Verlegung in die Heil- und Pflegeanstalt Meseritz-Obrawalde, rund 150 km östlich von Berlin, vorgeschlagen und eine Woche darauf in einem Sammeltransport dorthin verlegt. Einen Monat später, am 28. Oktober 1942, starb Karl Szczesny, angeblich an einer „Hirnlähmung“ in Obrawalde, ohne dass in seiner Krankenakte noch pflegerische oder therapeutische Maßnahmen vermerkt worden wären.
Wir wissen heute, dass er eines der ersten Opfer einer im Herbst 1942 beginnenden dezentralen Krankenmordaktion wurde, der allein in Obrawalde annähernd 10 000 Menschen zum Opfer gefallen sein dürften. Karl Szczesny starb nicht an den Folgen seiner langjährigen schweren Erkrankung, sondern wurde in einem tausendfach geübten Verfahren mit einer Überdosis Medikamenten in Obrawalde ermordet.

Die Biografie wurde von Thomas Beddies erarbeitet.

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