Erna Teschner, geb. Blank

* 15. 6. 1912 Berlin –
† 22. 1. 1944

Erna Blank wurde am 15. Juni 1912 in Berlin geboren und wuchs aufgrund schwieriger familiärer Verhältnisse bei Pflegeeltern auf.
1935 heiratete sie den gelernten Dreher Kurt Teschner, der als Vorarbeiter in einem Metall verarbeitenden Betrieb tätig war. Aus der nach eigenen Angaben „sehr glücklichen“ Ehe ging ein gesundes Mädchen hervor. Erna Teschner hatte Verkäuferin gelernt und eröffnete Ende 1941 einen kleinen Laden für Haushaltsartikel und Seife. Sie lebte zuletzt in der Antonienstraße 61 in Berlin-Reinickendorf.
Am 14. August 1942 wurde sie in die Wittenauer Heilstätten aufgenommen. Die Diagnose lautete „Reaktive Depression“, also eine traurige Verstimmung im Zusammenhang mit äußeren Ereignissen.
Bei der Aufnahmeuntersuchung beschrieb sie sich selbst als „ängstliche Natur“, die schon immer – etwa angesichts großer Menschenmengen – Angstzustände bekommen habe. Jetzt, während des Krieges, fühle sie sich dauernd überfordert: „Ich musste immer weinen und die Arbeit und die Wirtschaft und die Kleine und Ware holen und anstehen, das war mir zu viel.“ Im Verlauf ihres Aufenthaltes in Wittenau war Frau Teschner jederzeit über ihre Situation orientiert, auch war sie zugänglich und gut ansprechbar.
Nach einigen Wochen der Beobachtung wurde sie am 10. Oktober 1942 nach Hause entlassen. In der Zusammenfassung der Akte dieses ersten Aufenthaltes heißt es: „Es handelt sich um eine von Hause aus psychasthenische (Psychasthenie: ‚Mangel an seelischer Kraft‘) ängstliche Persönlichkeit, die den erhöhten Anforderungen der jetzigen Zeit nicht gewachsen ist.“
Bereits ein halbes Jahr später, am 22. April 1943, musste Erna Teschner mit der Diagnose „manisch-depressive Erkrankung“ in die Nervenklinik der Charité aufgenommen werden. Im Vordergrund der Krankheitserscheinungen stand jetzt eine hochgradige Unruhe, verbunden mit einem starken Rededrang. Sie erhielt große Dosen des Beruhigungsmittels Luminal, außerdem wurden – ebenfalls zur Beruhigung – Dauerbäder angeordnet. Im Laufe einer Elektroschockbehandlung kam es dann zu einer Beruhigung und Besserung, sodass sie am 15. Juni 1943 zunächst zu ihrem Mann nach Hause entlassen werden konnte.
Bereits am 26. Juni 1943 jedoch wurde Frau Teschner in einem akuten Erregungszustand erneut in die Wittenauer Heilstätten aufgenommen. Zuhause hatte sie wirr durcheinander gesprochen, Gegenstände zerschlagen und war ziellos umhergeirrt. In Wittenau wurde sie aufgrund ihres erregten Verhaltens mehrfach isoliert und bekam Spritzen mit Beruhigungsmitteln; die „Behandlung“ blieb jedoch erfolglos. Auch begann man wiederum eine Elektroschockbehandlung mit insgesamt 16 Schocks. In der Folge beruhigte sie sich zunächst und wurde geordneter. Offenbar schmiedete sie auch Zukunftspläne. Von einem weiteren Kind riet man ihr ärztlicherseits jedoch strikt ab, außerdem wurde sie dem Amtsarzt mit dem Ziel der zwangsweisen Sterilisation wegen „Schizophrenie“ gemeldet. Bereits kurz nach dem Ende der Elektroschockbehandlung verschlechterte sich ihr Zustand wieder in Richtung großer Unruhe; Frau Teschner wurde erneut isoliert und schließlich am 6. Dezember 1943 in die Heil- und Pflegeanstalt Obrawalde bei Meseritz verlegt.
Der einzige Eintrag dort lautete am 22. Januar 1944: „Exitus letalis“. Als angebliche Todesursache wurde eine Darmgrippe angegeben. Tatsächlich lassen die Umstände ihres Todes aber darauf schließen, dass die nicht arbeitsfähige und pflegebedürftige Frau kurz nach ihrer Ankunft in Obrawalde mit einer Überdosis Medikamenten vergiftet wurde.

Die Biografie wurde von Thomas Beddies erarbeitet

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