Emma Wippler, geb. Schweizer

* 5. 6. 1882 Rehetobel –
† 27. 6. 1940 Grafeneck

Wippler_Emma.jpgEmma Wippler, geb. Schweizer, wurde mit 58 Jahren ermordet. Sie war sechsfache Mutter.

Emma Schweizer wurde am 5. Juni 1882 in Rehetobel, einem kleinen Ort bei St. Gallen, geboren und erlernte den Beruf der Näherin. Im Alter von 30 Jahren heiratete sie Eugen Wippler am 19. Oktober 1912 in Basel.
Heinrich, das erste Kind, wurde 1914 im ersten Jahr des Ersten Weltkriegs geboren. Der Säugling starb aber bereits nach wenigen Wochen. Aus der Ehe gingen dann, von 1918 bis 1926, weitere fünf Kinder hervor. Die Familie lebte in einfachen Verhältnissen. Den erlernten Beruf als Küfer konnte ihr Mann nach der Heimkehr aus dem Ersten Weltkrieg nicht mehr ausüben. Er gründete eine kleine Milchhandlung. Die größer werdende Familie wohnte zuerst in der Hussenstraße 14, dann in der Hussenstraße 48 und danach zuletzt in der Kanzleistraße 7, im 2. Obergeschoss.
In diesen anstrengenden und kräftezehrenden Jahren erkrankte Emma Wippler psychisch, wurde schwermütig, vom Alltag immer mehr überfordert. Ab dem 27. Juli 1929 war sie elf Jahre lang Patientin in der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau. Ihre fünf Kinder, im Alter zwischen 3 und 11 Jahren, hatten plötzlich ihre Mutter verloren. Die Familie bezog in der Alemannenstraße eine Wohnung im sog. Hindenburg-Block, eine Haushälterin versorgte die Kinder. Die Mutter ersetzen konnte sie jedoch nicht. Die Kinder konnten natürlich nicht begreifen, warum ihre Mutter fort war, und litten sehr unter der Trennung. Es blieben nur die sonntäglichen Besuche. Die jüngste Tochter wurde von der Schwester von Eugen Wippler in Frankreich adoptiert.
Sieben Jahre nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde Emma Wippler wie Tausende andere als psychisch Erkrankte erfasst und geriet dadurch in die anlaufende Todesmaschinerie des sogenannten Euthanasie-Programms.
Am 20. Juli 1940 erhielt ihr Mann ein Schreiben, das mitteilte, seine Frau habe nach Hartheim bei Linz verlegt werden müssen, wo sie am 19. Juli an einer Magenblutung verstorben sei. In dem Schreiben heißt es: „All unsere ärztlichen Bemühungen hatten leider keinen Erfolg mehr […], um einer möglichen Seuchengefahr, die jetzt während des Krieges besonders groß ist, vorzubeugen, mußte die Verstorbene […] sofort eingeäschert werden.“
All diese Angaben sind erlogen, frei erfunden, blanker Zynismus.
Tatsache ist: Emma Wippler starb nicht in Hartheim, und sie starb an keiner Krankheit. Sie war bereits drei Wochen bevor ihr Ehemann die Todesnachricht erhielt ermordet worden. Man findet ihren Namen unter Nr. 64, von insgesamt 75 Frauen, auf der Transportliste von der Reichenau zur Tötungsanstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb.
Emma Wippler wurde am Vormittag des 27. Juni 1940 in einem der grauen Busse mit weiß getünchten Fenstern abgeholt und wenige Stunden später in Grafeneck vergast und eingeäschert.

Recherche: Roland Didra
Paten des Stolpersteins: Elisabeth Didra

nach oben